Backtradition_Thorwart
Backerei Johann Dietz

Brot- und Feinbäckerei Johann Dietz ca. 1900

180 Jahre Bäckertradition im Hause Dietz!

180 Jahre Backtradition

Drei Generationen Geschäftsinhaber der Bäckerei Dietz beziehungsweise
Dietz-Thorwart: (von links) Elmar Dietz, Erich Dietz und Peter Thorwart.
 

Ca. 1900


HARDHEIM. Ein Haus mit langer Geschichte und Bäckertradition ist das Gebäude der Bäckerei Dietz in der Würzburger Straße 1 in Hardheim. Es wurde 1834 von Bäcker Johann Leiblein errichtet, der darin seine Bäckerei betrieb. Er stammte aus Walldürn. Somit besteht die Bäckereitradition im Hause Dietz in diesem Jahr 180 Jahre ohne Unterbrechung.
Am 28. April 1825 heiratete Johann Leiblein in Hardheim Maria Josepha Erbacher (1805-1857). Deren Tochter Maria Sophia (1831-1915) heiratete 1864 in Bad Mergentheim den Bäckermeister Balthasar Lutz (1839-1912) und übernahm die Hardheimer Bäckerei nach der Hochzeit.
Am 1. Mai 1886 kaufte der in Roth bei Bad Mergentheim geborene Bäckermeister Johann Dietz (1851-1933) für 8500 Mark zuzüglich 1500 Mark für die Geschäftseinrichtung das Anwesen und die Bäckerei von Bäckermeister Balthasar Lutz und dessen Ehefrau Sophia.
Bäckermeister Johann Dietz war ein aufgeschlossener und tüchtiger Hardheimer Bürger. Hier lernte er auch seine Frau Karolina Seitz (1859-1934) aus Gerichtstetten kennen. Aus der Ehe gingen sieben Kinder, drei Töchter (Sophia, Anna Theresia und Wilhelmina) und vier Söhne (Joseph Eugen, Pius, Franz Ludwig und Julius) hervor.
Franz Ludwig, geboren 1899, starb bereits einige Wochen nach der Geburt. Die drei anderen Söhne erlernten alle das Bäckerhandwerk.
Der älteste Sohn Joseph Eugen, geboren 1889, fiel im Ersten Weltkrieg am 25. Januar 1915 in Frankreich. Der jüngste Sohn Julius (1904-1994) gründete nach der Meisterprüfung in Würzburg-Grombühl eine eigene Bäckerei.


Pius Dietz
Der mittlere Sohn Pius Dietz (1896-1985) legte nach Wanderjahren in Frankfurt und Heidelberg mit Erfolg im Jahr 1920 die Meisterprüfung ab. 1925 übernahm er die elterliche Bäckerei am Marktplatz in Hardheim. Zusammen mit seiner Frau Maria Rein (1893-1973) aus Zeubelried (bei Ochsenfurt) erweiterte er die Bäckerei um eine Konditorei. Aus der Ehe stammt Tochter Rita sowie die beiden Söhne Hugo und Erich, die ebenfalls beide das Bäckerhandwerk erlernten.
Ära Hugo und Erich Dietz
Der ältere Sohn Hugo (1927-1998) eröffnete nach einem Gesellenjahr in Würzburg und Mitarbeit im elterlichen Geschäft zusammen mit seiner Ehefrau Maria Adelmann am 1. August 1954 im damaligen Neubaugebiet in der Bürgermeister-Henn-Straße eine neue Bäckerei mit Konditorei. Zuvor besuchte er 1948 die "Internationale Lehranstalt für Konditoren und Feinbäcker" in Stuttgart und legte die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk ab. Altershalber wurde das Geschäft am 24. Dezember 1996 aufgegeben und geschlossen.
Der jüngere Sohn Erich, geboren 1931, erlernte im elterlichen Betrieb das Bäckerhandwerk. Nach der Lehre ging er auf Wanderschaft und verbrachte einige Gesellenjahre in Würzburg, München, Triberg im Schwarzwald, Pforzheim und Stuttgart. 1954 legte Erich Dietz vor der Handwerkskammer Mannheim die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk ab. Seinen Meisterbrief erhielt er 1954.
Hofackersanierung
Zusammen mit seiner Frau Mechtilde Frohmüller übernahm er 1958 die Bäckerei von seinem Vater. Mehrere "Goldmedaillen für hervorragende Backleistungen" erhielt Bäckermeister Erich Dietz.
Im Rahmen der Hofackersanierung wurde das alte Gebäude im Januar 1962 abgerissen und das heutige Gebäude errichtet. Die Neueröffnung fand im April 1963 statt. Die Bäckerei und Konditorei wurde dabei um einen Lebensmittelmarkt erweitert. Bereits 1967/68 erfolgte ein Anbau und eine Erweiterung. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde auch die erste Tiefgarage in Hardheim gebaut. Im Neubau wurde am 1. April 1965 im hinteren, an den Schlossgarten ("Alpengarten") angrenzenden Gebäudeteil das "Café Dietz" eröffnet. Es wurde vom Ehepaar Wilfried und Anne Nickert bis zur Schließung 1989 betrieben.
Von 1989 bis 2001 wurde die Bäckerei vom ältesten Sohn Elmar Dietz und seiner Ehefrau Ulrike Schwinn weitergeführt. Vor ihrem Einstieg in die Bäckereibranche waren beide in anderen Berufen tätig. 1984 entschlossen sie sich, den elterlichen Betrieb zu übernehmen und ihre bisherigen Berufe aufzugeben. Beide haben in mehreren Bäckereien und Konditoreien Erfahrungen sammeln können. Elmar Dietz legte 1988 die Meisterprüfung ab und 1989 erfolgte die Geschäftsübernahme von seinen Eltern.
Ära Elmar Dietz
Bei der Übernahme hatte die Bäckerei vier Mitarbeiter und einen hohen Verkaufsanteil an Lebensmitteln. Nach und nach wurde der Betrieb umgestaltet. Der Lebensmittelverkauf wurde eingestellt und es folgte eine Konzentration auf das Kerngeschäft der Bäckerei und Konditorei. Dazu war der Umbau des Ladens und der Backstube nach modernsten Gesichtspunkten eine Notwendigkeit. Die hohe Qualität der Backwaren, die Orientierung am Kunden und die daraus resultierende Kundenzufriedenheit haben den Geschäftsbetrieb an seinem Stammsitz, ohne Filialen, wachsen lassen. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich sukzessive auf insgesamt 20 Beschäftigte.
Seit 2001 ist die Bäckerei an Bäcker- und Konditormeister Peter Thorwart verpachtet. Er erlernte das Bäckerhandwerk in den Jahren 1984 bis 1987 und Konditor in den Jahren 1989 bis 1991 in Tannhausen. Danach folgten Gesellenjahre in verschiedenen Bäckereien und Konditoreien sowie ein Gesellenjahr in der Schweiz in Zollikon bei Zürich. Im Jahr 1993 legte er die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk und 1994 die Meisterprüfung im Konditorenhandwerk erfolgreich ab. Seit 2001 führt die traditionsreiche Bäckerei und Konditorei in Hardheim den Namen "Dietz-Thorwart".

Quelle: Fränkische Nachrichten, Samstag, 28.06.2014 * Torsten Englert